O tempores, o mores – das Treiben unserer Ahnen

Schimpansen (Pan troglodytes) und Bonobos (Pan paniscus) sind die nächsten noch lebenden Verwandte des Menschen. Persönlich hoffe ich darauf, dass die Bonobos noch ein bisschen näher mit uns verwandt sind, da ich „Konflikte mit Sex lösen“ immer noch sympathischer finde als „strategische Kriegsführung“, aber sei’s drum. Der letzte gemeinsame Vorfahr von Schimpansen und Bonobos lebte wohl etwa vor zwei Millionen Jahren. Und nun (1) hat sich herausgestellt, dass sich unsere entfernten Cousins nicht nur nicht an geografische Grenzen gehalten haben – eigentlich sind beide Arten durch den Kongo voneinander getrennt – sondern auch schmählich das biologische Artkonzept (2) ignoriert haben, nachdem unterschiedliche Arten miteinander eben keine fruchtbare Nachkommenschaft produzieren sollen können. Und das wohl gleich zweimal! Einmal vor zwischen einer halben Millionen und 200 000 Jahren und dann noch einmal vor weniger als 200 000 Jahren.

Nun kann man das Ganze als peinliche Geschichte von der weitentfernten Verwandtschaft vom Lande abtun, doch unsere direkte Vorfahrenlinie war offenbar auch weniger spießig, was die Partnerwahl angeht, als man gemeinhin so annehmen möchte.

HPV das humane Papillomavirus, auch als Genitalwarze bekannt, kommt in vielen Varianten daher. Einige davon lästig bis harmlos, andere, wie die Variante 16, recht gefährlich und für die vermehrte Bildung von Gebärmutterkrebs verantwortlich – ist auch eine der Varianten, gegen die scheinbar erfolgreich geimpft werden kann (3). Untervarianten von 16 kommt nun recht selten bei Menschen südlich der Sahara vor, ist aber bei allen Menschen recht verbreitet, die nördlicher und östlicher wohnhaft sind. Dies entspricht in etwa der vermuteten Wanderrichtung aus Afrika in den Rest der Welt hinaus ab den Gebieten, in denen unsere Vorfahren auf Neanderthaler und Denisova-Menschen getroffen sein müssten. Diese zeigten auch die entsprechenden Viren. Es war offenbar zu intimen Kontakten zwischen den neuausgewanderten modernen Menschen und den schon länger in Europa ansässigen nahen Verwandten gekommen (4).

Doch halt – HPVs können doch recht leicht übertragen werden, vielleicht haben sich die frühen modernen Menschen und Neanderthaler einfach die selben Höhlen und Handtücher geteilt oder so? Könnte sein, nur dann hätten sie wahrscheinlich nicht auch Gene ausgetauscht (5). Und mit den Denisova-Menschen und mit noch einer weiteren noch nicht in Fossilform gefundenen Art… (6)

Scheinbar ist der Mensch in seinen Wurzeln ein sehr xenophiles Wesen – wo er auf seinen Wanderschaften auf  schon länger ansässige Menschenarten traf, war auch der Geschlechtsverkehr nicht weit. Und mit so fruchtbaren Ergebnissen, dass wir teilweise bis heute das Erbe dieser Begegnungen in uns tragen. Schade eigentlich, dass es inzwischen vielen Zeitgenossen schwer fällt, dem Fremden mit Neugierde und Liebe entgegen zu treten, es würde sie gewiss ebenfalls bereichern.

für die Inhalte der folgenden externen Links sind die jeweiligen Betreiber verantwortlich: (1) Manuel et al. -2016- Chimpanzee genomic diversity reveals ancient admixture with bonobos; (2) Wiki zum biologischen Artkonzept; (3) Eine Erste Studie mit vorläufigen Ergebnissen zur Effektivität der HPV-Impfung bei Jugendlichen; (4) Die Originalstudie zu den HPVs;  (5) Science-Artikel zum Neanderthal-Erbe; (6) Ein Artikel zu eben diesen Funden

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Der resistente Tripper

In letzter Zeit kursiert auf englischsprachigen Aufklärungsseiten die Warnung, dass eine antibiotikaressistente Form der Gonorrhoe/Tripper kursiert und in besorgniserregender Geschwindigkeit um sich greift.

Gonorrhoe wird durch Bakterien ausgelöst, genauer durch Gonokokken (Neisseria gonorrhoeae). Die Krankheit ist zum einen unangenehm und führt zu Entzündungen der Harnröhre mit Juckreiz und eitrigem Ausfluss bei Männern und bei Frauen zusätzlich noch eitrige Entzündungen des Gebärmutterhalses. Bei manchen Infizierten entstehen keine Symptome, weshalb die Krankheit von diesen Betroffenen dann häufig unwissend weitergegeben wird. Neben anderen unschönen Auswirkungen kann die Krankheit zur Unfruchtbarkeit in beiden Geschlechtern führen. Übertragen werden die Gonokokken durch ungeschützten vaginalen, oralen oder analen Verkehr, korrekt verwendete Kondome und/oder Lecktücher helfen also gegen die Infektion. Praktisch gilt Gonorrhoe jedoch weltweit als die dritthäufigste sexuell übertragbare Krankheit.

Da Tripper in Deutschland seit 2000 nicht mehr meldepflichtig ist, liegen keine gesicherten Daten über die Verbreitung hierzulande vor.Seit 2014 steigen jedoch auch in Deutschland die Fälle azithromycin-resistenter Stämme (es existiert mit dem „GORENET“ eine Übereinkunft zwischen Analyselaboren, Funde resistenter Stämme anonymisiert zu melden). Das ist schlecht, da Azithromycin zu den Antibiotika recht weit hinten im Giftschrank der Mediziner zählt, die nur verwendet werden, wenn schon alle anderen nicht mehr greifen.

Will sagen: auch wenn es sich herumgesprochen hat, dass vaginaler und analer Verkehr besser mit einem Kondom zu genießen sind, scheinen die Zeiten auch auf Gummischutz beim Lecken und Lutschen zu stehen.

 

 

 

externe Links – übernehme keine Verantwortung für die Inhalte:

Wikiseite,

Robert Koch Institut zur antibiotikaresistenten Gonorrhoe,

Robert Koch Institut zum Projekt GORENET

 

 

 

Intereuropäische Klitoris

klitorismodell
Das Modell aus dem 3D-Drucker. Und ja – ich weiß, ich sollte meine Hände eincremen

Meine Frau fand vor ein paar Tagen auf Facebook einen Guardian-Artikel (der Artikel im Guardian – dieser ist auch für den Inhalt verantwortlich). Diesen leitete sie mir weiter. Inhalt war ein neues Programm in den französischen Schulen, bei denen ein frei verfügbares 3D-Modell der Klitoris für 3D-Drucker verbreitet wurde. Offenbar besitzen französische Schulen häufiger 3D-Drucker. Nach ein wenig Recherche fand ich auch tatsächlich die Datei (hier die französische Webseite mit den Dateien für das 3D-Modell. Auch hier gilt: für den Inhalt der externen Seite ist der Betreiber dieser verantwortlich ). Ein bischen mehr Googlen und ich fand auch eine 3D-Druckerei in Deutschland, die das Modell für unter 30€ druckt und versendet. Damit der Beitrag hier auch ein wenig zur Aktivität anregt, gebe ich den Link einfach mal nicht an.

Würgreflex und Zehenwackeln

Ob auf dem Zahnarztstuhl, beim Zähneputzen oder beim Sex – wenn ein Etwas zu tief in den Rachen kommt wird bei den meisten Menschen der Würgreflex ausgelöst. Soll gegen Ersticken helfen und ist deshalb auch sehr praktisch. Stört aber in der ein oder anderen Situation. Und für diese hilft es, mit den Zehen zu wackeln.

Warum? Gute Frage – wenn jemand eine Idee hat, bitte mir weitersagen und ich werde den Beitrag ergänzen. In der Zwischenzeit aber einfach ausprobieren.

Zwar habe ich noch keine neuen Erkenntnisse, was den Mechanismus hinter der Zehenwackelei und ihren Einfluss auf das Würgen angeht, dafür sind mir noch zwei weitere Tipps wider das Würgen begegnet.

Wenn die Situation es hergibt und die Hände gerade nicht gebraucht werden, sollen die mit der Faust fest gedrückten Daumen ebenfalls gegen Würgen helfen.

Man kann sich den Würgreflex wohl auch allmählich abtrainieren – beispielsweise bim Zähneputzen die Zahnbürste ruhig in den Rachen schieben, bis der Körper signalisiert „gefährliches Fremdobjekt in der Nähe des Luftkanals“. Gerade an der Grenze zum tatsächlichen Würgen eine Zeit verweilen und täglich oder häufiger wiederholen. Damit lernt der Körper, dass es ihm nicht gleich ans Leben geht, wenn sich mal ein Objekt länger, tiefer im Rachen befindet und schränkt allmählich seine Abwehrreaktion ein. Bitte vorsichtig dabei sein – immerhin hat der Reflex einen tieferen Sinn.